Panorama-Abschluss: Vive la République sociale!
Von Redaktion | Heute jährt sich der Beginn der Pariser Kommune zum 155. Mal. Vor fünf Jahren, rund um den 150. Jahrestag dieses Ereignisses, begann die Arbeit am Panorama.
Mittlerweile sind die Kapitel des Buchs vollständig und alle Inhalte wurden auf Social Media durchgespielt. Diese hatten wir dort scheibchenweise gepostet. Nun veröffentlicht der Bund, also der Herausgeber des Werks, das letzte Kapitel, das bisher nur in der Druckfassung zu lesen war, vollständig auf der Homepage des Buches, das damit auch in seiner Online-Form abgeschlossen ist.
Zur Einordnung: Im Panorama wurde ausführlich die Krise der repräsentativen Demokratie behandelt, die auch als Krise der Linken zu verstehen ist. Denn die Neueste Linke, die zurzeit das Bild linker Politik prägt, hat durch ihre identitätspolitische Einfassung den Bezug zu den unteren Klassen verloren, ja ist sogar selbst Teil eines Herrschaftsprojekts geworden. Und da sie große Teile der Bevölkerung nicht repräsentieren kann, vermag sie die Lücke nicht zu füllen, die sich aus der systemischen Repräsentationskrise ergibt. Vielmehr vergrätzt der links-grüne Paternalismus die unteren Klassen noch; als Alternative winkt der rechts-blaue Autoritarismus.
Der Bruch mit den identitätspolitischen Herrschaftstechniken, so wurde dargelegt, ist für eine Trendwende daher unerlässlich. Fraglich bleibt aber, ob die Linke, deren Krise vor allem eine epistemische ist, zu den nötigen Erkenntnissen überhaupt fähig ist. Zugleich bedarf es einer neuen Vision von Demokratie. Und zwar jenseits der eindimensionalen Debatte von »mehr oder weniger Demokratie« – a.k.a. Horizontalismus vs. Vertikalismus. Basisdemokratie etwa mag einen inklusiven Anspruch haben, ist in der Praxis aber ein exklusives Projekt, das Ineffizienz verspricht. Der Fehler liegt daher weniger im Konzept der Repräsentation selbst, sondern in deren unzureichenden Anwendung.
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Hier knüpft das letzte Kapitel an, das die Möglichkeit einer Vervielfältigung von Demokratie durch multiple Repräsentationen aufzeigt. Es handelt sich also um eine diagonale Lösung, bei der verschiedene soziale Sphären zu demokratisieren wären. So entstünde nicht nur eine funktionale Differenzierung, mit der Demokratie steuerungsfähiger würde, durch solche Teilordnungen wäre Demokratie auch feingliedriger. Anstelle einer einförmigen, lebensfremden Politikerklasse gäbe es Repräsentationen des Sozialen: eine soziale Republik.
Kapitel IX im Überblick: Asymmetrie der Wissensordnungen: Grundlagen der Repräsentationskrise · Herrschaft der Bewegtesten: Die Dystopie des (Ultra-)Horizontalismus · Das Recht auf Repräsentation: Vorzüge (semi-)vertikaler Ordnungen · Probleme der repräsentativen Demokratie: Diagonalisierung als Ausweg · Demokratisierung des Sozialen: Die Vervielfältigung von Repräsentation · Die Republik der sozialen Demokratien: Ein (sozialistisches) Revival der Bürgerlichkeit.


