Soziologismus vs. Biologie: Pseudoprogressive Begriffskasperei
Von Regina Schliephake | Noch immer sind Biologen damit beschäftigt, das Chaos bei den Geschlechtskategorien aufzuräumen. Es ist die Folge einer ideologischen Überformung der Geschlechterforschung.
Der Evolutionsbiologe Colin Wright hat Ende 2025 ein viel diskutiertes Paper zur Frage veröffentlicht, wie viele Geschlechter es gibt. Dazu hat er auch dem Skeptiker von der GWUP ein Interview gegeben. Und darin wiederum geht er auf eine Replik von Dana Mahr ein. Das ist jene Person, die rund um die Causa Vollbrecht Vorstellungen der Zweigeschlechtlichkeit mit einem »reaktionären Biologismus« in Verbindung brachte, der einer »faschistoiden« Logik folge.
Nun ist es natürlich nicht falsch, dass es insbesondere in rechtsextremen Diskursen biologistische Ideologeme gibt, etwa wenn dort die soziale Rolle von Frauen durch die Biologie determiniert gesehen und damit quasinaturalisiert wird. Oder wenn dort sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten jenseits des Heteronormativen als widernatürlich oder gar abartig begriffen werden. Allein, der durchschnittliche Binaritätsvertreter hat mit Rechtsextremismus wenig bis gar nichts am Hut. Es ist schlichtweg ein universales Prinzip, das je nach ideologischem Kontext ganz unterschiedlich verarbeitet wird, mal progressiv, mal reaktionär. Sonst wären ja quasi alle Völker faschistoid.
Zumal hierzulande die meisten binaries doch recht modernen Auffassungen von Geschlecht und Sexualität anhängen, beides zumindest als veränderbar und soziale Rollen oder Identitäten mitunter als sozial konstruiert begreifen. Dass das Ganze dennoch in Vorstellungen der Zweigeschlechtlichkeit (plus intersexuellen Variationen) eingefasst ist, hat nichts mit Biologismus zu tun. Das ist schlichtweg Biologie, kontextualisiert mit modernem, auch soziologischem Wissen über Geschlecht und Sexualität. Ein durchaus aufgeklärter Mix. Und keineswegs reaktionär.
Eigentlich ist es andersrum: Die Negation der Zweigeschlechtlichkeit steht für einen esoterischen Soziologismus, der Grundlagen der Biologie attackiert. Er ist das antiaufklärerische Pendant zum rechtsextremen Biologismus, der Grundlagen der Geschlechtersoziologie attackiert. Es spricht für sich, dass die Mahr‘sche Replik auf den biologischen Fachartikel von Wright sich zwar Argumenten aus der Biologie widmet, mit Quellen und Methoden aus der Biologie aber nicht arbeitet. Es ist eine pseudoprogressive Begriffskasperei, die keine Erdung in der materiellen Realität mehr hat.

