Polarisierungsunternehmer von links: Die Engführung der Diskurse
Von Malte Clausen | Die Radikalisierung Jan Böhmermanns beinhaltet nicht nur die Relativierung rechtsstaatlicher Prinzipien, sondern hat auch für viele Feministinnen großen Schaden angerichtet.

»Radikalisierung Royale«: So bezeichnet Holger Marcks in einem aktuellen Text für die Ruhrbarone die woke Diskursverschiebung, für die auch die ZDF Show Royale von Jan Böhmermann steht. Sie ist konstitutiv für das, was im Panorama als »Neueste Linke« beschrieben wird. Man sollte dazu noch sagen: Es ist ein Prozess, der vor allem innerhalb des Mitte-links-Lagers stattfand und maßgeblich durch die Digitalisierung befördert wurde. Durch sie konnten besonders drastische Konzepte der Identitätspolitik aus der Szenelinken (die dort übrigens nicht mal hegemonial waren) ziemlich rasant im bildungsbürgerlichen Mainstream diffundieren. Welchen Mechanismen das folgte und warum diese Konzepte auf die Gesellschaft hochskaliert besonders destruktiv und regressiv wirken, kann man im Buch nachlesen.
Zu den destruktiv-regressiven Effekten gehören nicht nur die abstoßende Wirkung, die von einem (neo-)linken Lager in solch einer Fasson ausgeht (insbesondere bei seiner traditionellen Klientel), sondern auch die Verdrängung anderer fortschrittlicher Ansätze. Um diese spalterische Kraft festzustellen, muss man nur auf das Schicksal des Feminismus schauen. Wenn mitunter Frauen als Faschos verteufelt werden, die im Grunde Positionen des second wave feminism vertreten, dann sind da offenbar Akteure am Steuer, die politisch unzurechnungsfähig sind. Und die haben indessen dafür gesorgt, dass Feminismus in der Öffentlichkeit oft nur noch als Karikatur erscheint. Etwa wenn Männer dafür gefeiert werden, dass sie Geschlechterstereotype reproduzieren.
»Um diese spalterische Kraft festzustellen, muss man nur auf das Schicksal des Feminismus schauen. Wenn mitunter Frauen als Faschos verteufelt werden, die im Grunde Positionen des second wave feminism vertreten, dann sind da offenbar Akteure am Steuer, die politisch unzurechnungsfähig sind.«
Mehr noch: Es ist auffällig, dass es nun viele Männer gibt, die im Namen eines »Feminismus für alle« den native feminists die Leviten lesen wollen und sich dabei als im Kampf gegen den Faschismus stehend moralisch überhöhen. Für richtige tapfere Kerlchen halten sie sich, wenn sie gegen TERFS (oder auch: TERDs und FARTS) zur Jagd blasen. In Wirklichkeit ist ihr Werk das einer sozialen Aneignung und auch Enteignung von Frauenbelangen. Auch die Mechanik dieses Problems lässt sich genauer im Panorama nachlesen. Oder auch komprimiert in einer etwas satirischen Zuspitzung hier im Glossar zu »Kritischer Feminismus« (Panorama).
