Hören: Die Tradition des Republikanismus
Von Redaktion | In der neuen Episode von »Vorpolitisch« geht es ein weiteres Mal um das Panorama. Diesmal war der andere Co-Autor, Felix Zimmermann, zu Gast.
In der Geschichtstunde von »Vorpolitisch« erklärt Felix Zimmermann, was es mit der historischen Tradition des Republikanismus auf sich hat, wie deren Potentiale durch Marxismus und Anarchismus verstellt wurden und wie eine Wiederbelebung bzw. Neuinterpretation dieser Tradition aussehen könnte: Sozialrepublikanismus genannt. Nicht zuletzt wird auch erläutert, was das Vergessen des Republikanismus in der Linken mit der Irrfahrt der Neuesten Linken zu tun hat.Da dieser Zusammenhang nicht auf Anhieb ersichtlich ist, hier ein paar Worte dazu: Mit der Verdrängung der republikanischen Tradition in der Arbeiterbewegung legten sich beide Großströmungen des Sozialismus (Marxismus und Anarchismus) auf eine Revolutionsmythologie fest, die sozialen Wandeln nur noch als Bruch mit der bürgerlichen Gesellschaft denken konnte. Stichwort: proletarische Revolution. Die Option, die repräsentative Demokratie als Grundlage zu denken, auf der sozialistische Teillieferungen aufbauen können, wurde so verblendet. Die Neue Linke ab 1968ff. suchte dann – konfrontiert mit den offensichtlich hässlichen Ergebnissen dieser revolutionären Politik – eine alternative Revolutionsmythologie. Auch diese bewegte sich jenseits des Republikanismus, war also ebenso gegen die repräsentative Demokratie gerichtet, die man als Ausdruck »bürgerlicher« Herrschaft begriff.
Die Gesellschaft wollte man nun im Alltag umwälzen: zum einen über Mikropolitiken im Zwischenmenschlichen, aus denen die Identitätspolitik von heute resultierte; zum anderen in Form von Basisorganisationen, in denen Repräsentanten keine Macht generieren könnten und jeder mitmachen dürfe. Basisdemokratie ist aber ressourcenintensiv. Sie können sich nur die leisten, die abkömmlich sind und viel Zeit haben. Und so war es eine logische Folge, dass die Linke, als sie zunehmend auf solche Organisationsformen setzte, zu einem exklusiven Projekt relativ privilegierter Bildungsbürgis wurde – allem inklusiven Anspruch zum Trotz. In diesem Biotop, angesiedelt in den Nischen einer linksradikalen Szene, konnte dann die Identitätspolitik gedeihen, die so gut zu den bildungsbürgerlichen Dispositionen passt. Und als sie dann genügend moralische Wirkmacht in den entsprechenden sozialen Milieus aufgebaut hatte, konnte sie letztlich auch auf den bildungsbürgerlichen Mainstream in der repräsentativen Politik übergreifen.
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Im Panorama lässt sich die Genealogie dieses historischen Wirkungszusammenhangs im Detail nachlesen – und auch, warum die (sozial-)republikanische Perspektive eine Antwort auf die basisdemokratischen und identitätspolitischen Verfehlungen der (Neo-)Linken, aber auch den Revolutionsfetisch der Alten Linken ist.


