Panorama Use Case: Die ideologische Funktionalisierung der Subalternen
Von Redaktion | Dass Wokeness Minderheiten und Diskriminierte für moralische Zwecke instrumentalisiert, sollte eine linke Binse sein. Stattdessen überlässt man das Offensichtliche den Konservativen.
Eine Bürde linker Kritiker der Identitätspolitik ist die folgende: Zwar haben sie deren Probleme ausführlich schon dargelegt, noch bevor es größere Debatten dazu gab; nun aber müssen sie zusehen, wie sie von rechts ins Feld geführt werden – in verflachter Darstellung, mit regressiver Stoßrichtung, versteht sich. Zu offensichtlich sind jene Probleme mit der Ausbreitung linker Identitätspolitik im bildungsbürgerlichen Mainstream geworden. Man kann sie eigentlich nur noch übersehen, wenn man in genau dem neolinken Verblendungszusammenhang gebunden ist, der sie begründet.
So kann es nicht verwundern, dass man auch in der Bullshit-Fabrik Nius (quasi der rechte Volksverpetzer) zuweilen Dinge ausspricht, die im Kern nicht falsch sind. Etwa dass der woke Bezug auf subalterne Gruppen bloß ideologische Funktionalisierung ist, die wenig mit deren Interessen zu tun hat.
Eigentlich sollte das auch für Linke eine Binse sein. Das Offensichtliche hat sich bei ihnen aber – aus Gründen, die im Panorama beschrieben werden – nicht durchgesetzt. Und so sind nun die Rechten in der Bonusposition, solche Probleme ansprechen und von ihren eigenen Verblendungen ablenken zu können.
Mehr noch: Der Umstand, dass diese Befunde nun von rechts geäußert werden, dürfte – auch das erklärt das Panorama – auf der linken Seite zu einer noch größeren Abwehr der nötigen Einsichten führen. Und das Pendel der Polarisierung, es dürfte mit diesem intensivierten Problemtanz erst mal weiter schwingen.
Wer dennoch eine aufklärerische Analyse zur neolinken Funktionalisierung subalterner Gruppen sucht, wird im Panorama fündig. Damit ist man auf das anti-woke Gestammel von Timke & Co. nicht angewiesen, die dem geistigen Elend der Woken in nichts nachstehen. Hier ein Auszug:
»[H]ier sehen wir ein Rechtfertigungsmuster, bei dem … das mutmaßliche Interesse der Subjekte auf den eigenen, spezifisch politischen Ansatz projiziert wird. …
Eine solche Identitätspolitik, verstanden als epistemischer Modus von Politik, war auch der marxistischen und anarchistischen Klassenpolitik – mehr oder minder – eigen, wenn sie die Arbeiterklasse zur Stimme einer größeren Wahrheit machte… Sie setzten die Interessen ihrer Referenzgruppe (hier: Arbeiter) mit ihrer Ideologie gleich, indem sie diese als deren höheres Bewusstsein deklarierten. … So wie heute auch viele (queer-)feministische Akteure nicht die Interessen von Frauen widerspiegeln, sondern nur die Frauenstimmen widerhallen lassen, die den Vorurteilen ihres identitätspolitischen Zuschnitts entsprechen. …
- Werbung -
Online lesen/hören ⋅ Band 1-3 im Alibri Verlag ⋅ Band 1 auf Amazon
Heraus kommt … ein Zirkelschluss: Was meiner Auffassung des politischen Richtigen für (m)eine subalterne Gruppe nicht entspricht, steht nicht für diese Gruppe. Das heißt, es findet eine Funktionalisierung der imaginierten Gruppe statt… Ob man als legitime Stimme von zum Beispiel Frauen oder Migranten gilt, ergibt sich aus der Kombination mit der richtigen Einstellung. … So kommt es dann, dass die Erfahrungswiedergabe von etwa (weiblichen) Migranten da sakralisiert wird, wo sie politisch opportun ist, und Hetze dann erlaubt ist, wenn Exponenten dieser Gruppe im Widerspruch zur stereotypen Imagination stehen.«
— Zurück nach vorn. Ein sozialrepublikanisches Panorama, Bd. 2, Kapitel VII



