No Debate: Geschlecht ist kein Recht
Von SRB | Wie mit verschiedenen Geschlechtsidentitäten rechtlich umzugehen ist, darüber lässt sich diskutieren. Dafür am (biologischen) Geschlecht zu schrauben, ist inakzeptabel.
Die ganze Debatte über die Anzahl der Geschlechter hat so gar nicht stattzufinden. Nicht, weil nicht anzuerkennen wäre, dass man in der Biologie heute etwas feingliedriger auf die Ausprägungen der (zwei) Geschlechter schaut. Sondern weil die Debatte als gesellschaftspolitische Kontroverse grundlegend falsch ist, insbesondere in ihrer Verquickung mit der Debatte über Transpersonen.
Machen wir es kurz:
Die Feinjustierung von Geschlecht in der Biologie ist im Kern eine Frage des Umgangs mit Phänomenen der Intersexualität. Sie wurde von queerpolitischen Akteuren zur Gretchenfrage im Umgang mit Transgender umgedeutet.
Bei welchem biologischen Modell von Geschlecht man auch landet, es geht hier stets um Kategorien von körperlichen Merkmalen und die Variationen, die innerhalb dieser auftreten können.
Gesellschaftspolitisch wären daraus primär Folgerungen im Umgang mit intergeschlechtlichen Menschen (und ihrer Identität) zu ziehen. Identitäre Aspekte, die konstitutiv für Transgender sind, berührt das nur sekundär.
Das Konzept »trans« vermittelt zwischen (biologischem) Geschlecht und Geschlechtsidentität (Gender). Wenn letztere unabhängig von körperlichen Voraussetzungen gelten soll, hat das weder mit Biologie noch mit Intersex zu tun.
Mehr noch: Eine Auflösung von Geschlechtskategorien zugunsten von Gender führt das Konzept sogar ad absurdum – und es überschreibt die komplizierten Fragen rund um Intergeschlechtlichkeit.
Eine Transperson etwa, deren körperlichen Merkmale eindeutig männlich oder weiblich sind, kann sich nicht als intergeschlechtlich identifizieren – weil das eben ein biologisches Konzept ist, egal, wie man es genau fasst.
⯈ Case closed
Wer über die biologischen Varianzen von Geschlecht grundlegend debattieren will, der hat das innerhalb der Biologie zu machen. Und Genderforschung kann sich gerne damit befassen, was die Phänomenologie von Geschlecht für Fragen von Identität und der sozialen Rollen bedeutet. Daraus aber eine Debatte über Transgender zu machen, ist schlichtweg Unfug, der in ständige Kreisläufe der Absurdität führt. Dazu zählt insbesondere die unterkomplexe Synonymisierung von Transfeindlichkeit mit einer Position der Zweigeschlechtlichkeit, die eben keineswegs wissenschaftlich über Bord geworfen wurde, nur weil neolinke Ideologen Aspekte einer biologischen Debatte soziologistisch überformen.
Für ein gesellschaftliches Verständnis von Geschlecht ist und bleibt Zweigeschlechtlichkeit (eingedenk intergeschlechtlicher Varianzen) maßgeblich. Sie zu attackieren, ist so absurd wie eine Leugnung der Binarität von Stute und Hengst. Sie sagt weder etwas über Rollenvorstellung noch etwas über Identitäten aus – und kann sowohl regressiv als auch progressiv ausgedeutet werden: eine Frage der Geschlechterpolitik eben. Wer sich Zweigeschlechtlichkeit nur reaktionär denken kann, hat sich mit seinem Denken in eine sehr enge Ecke verrannt. Konstruktive Lösungen in Geschlechterfragen sind da nicht zu erwarten, sondern lediglich polarisierende Phantomdebatten, die einem sektiererischen Moralspektakel dienen.

